Lyrics

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Lauter loops
Lauter loops

Inhaltsverzeichnis

Drei Jahrzehnte voller Wörter

07:57:24:05:21:2017

Surreale Lyrik aus dem Jahre 1985

In den turbulenten Jahren Anfang der achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als der Bildende Künstler Jürgen Rüdiger Krenzien seine surrealen Malereien schuf, begleitete er die Schaffensprozesse seine Bilder auch in lyrischer Form. So intuitiv wie seine Malereien entstanden, so flossen auch seine Wörter auf das Papier. Sie sind ein Ausdruck seiner enormen Ausdrucksstärke. Seiner Meinung nach ist die schriftliche Begleitung essenziell für sein bildnerisches Werk.

Für ihn sind die unterschiedlichen Ausdrucksformen seines Schaffens keine Widersprüche, sondern basieren auf den selben Quellen. Die Werkzeuge wechseln, die Inhalte bleiben. Loop Dundee, wie er sich seit Mitte der 90iger Jahr aus Gründen seines mittlerweile internationalen Wirkens nennt, benutzt selbst die Namen als Symbol und Sinnbild für den Ausdruck seiner Inhalte.

Alles ist Kunst und Ausdruck. Die Werke seiner Kunst sieht er als Übersetzungen tiefen Verständnisses für die nicht immer sofort sichbaren Welten.

Der Betrachter, Hörer oder Leser bekommt immer kleine Geschichten erzählt, die scheinbar alltägliche Begebenheiten beschreiben, aber letzlich eine Form von, wie er selbst sagt, Headmovies entstehen lassen.

Schattenspiele
  • Graue Schatten bewegen sich im Raum.
  • Woher sie kommen, ist nicht zu erkennen.
  • Von wem oder was sind die Schatten?
  • Oder ist es nur eine Illusion?
  • Vielleicht ist ja alles um mich herum eine Illusion?
  • Aber ich sehe die Schatten ganz deutlich!
  • Von mir können die Schatten nicht sein!
  • Es ist keine Sonne am Himmel.
  • Und ich besitze keinen Schatten.
  • Vor mir tanzen graue Schleier.
  • Schwindeliges Drehen am Firmament.
  • Der Himmel verdichtet sich,
  • brüllt mit einer großen Gewalt auf mich ein!
  • Aus - ein - ausschalten, alles ausschalten.
  • Ich schreie, doch alles bleibt wie es ist!
  • Mein Schrei verblasst vor der weißen Wand.
  • Sterbe ich jetzt?
  • Nein, der Tod kommt anders.
  • Dann sehe ich Masken in den grässlichsten Farben tanzen.
  • Sie stürzen sich auf mich,
  • kann nicht weg!
  • Weiß nicht mehr was ich glauben soll.
  • Glauben, denken? Ja, an was denn!?
  • Was ist nur los?
  • Kommt jetzt der Augenblick der Abrechnung?
  • Und was soll denn abgerechnet werden?
  • Schatten, nichts als Schatten.
  • Sie drehen sich, ich drehe mich, aus!
  • Um mich herum ist Ruhe eingekehrt,
  • liege wie benommen um mich herum.
  • Schaue aus dem Fenster,
  • Die Sonne scheint.
  • Habe ich geträumt?
  • Die Seele holt sich alles gestohlene wieder.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


Von Spulwürmern und Teufelsfratzen
  • Von Spulwürmern durchzogene Teufelsfratzen
  • wirbeln über das Papier,
  • bringen das Schaudern über uns.
  • Der Teufel lebt,
  • durchbricht immer wieder, immer wieder
  • das Weiss des Papiers, des Papiers.
  • Sie winden sich durch das Rot des Blutes.
  • Alles rot, rot und Tod.
  • Das Bild fängt an zu leben,
  • quält sich bis an den Rand der Erschöpfung.
  • Die Wut im Bauch wird siegen,
  • siegen.
  • Wut, Sieg, Wut, Sieg.
  • Ein hin und her und weg.
  • Das Bild verblutet langsam, sehr langsam.
  • Eine Ahnung macht sich breit,
  • wird breiter und breiter,
  • wird zu einem gebilden Bild,
  • gebaut zur Aufklärung der Klärung..
  • Das Bild muss gerettet werden,
  • Rette sich wer kann.
  • Die Teufel sind unter uns.
  • Ein Kampf entfacht über die Ahnungslosigkeit.
  • Die Musik treibt mich zum Wahnsinn,
  • drohend, breiter und breiter.
  • Die Ahnung.
  • Was will die Ahnung sagen?
  • Langsam erkenne ich die Botschaft,
  • langsam.
  • Aber oh Schreck, was sehe ich?
  • Es verschlägt mir die Sprache!
  • Ich kann nicht mehr sprechen.
  • Nur noch starren, mit weit geöffneten Augen,
  • auf das Bild.
  • Es kann nur noch stammeln ..
  • Der Verstand, alles dreht sich ..

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


die brust
  • zusammengezogene brust
  • der schmerz bricht aus mir heraus
  • todesnahe brodelt es aus den kalten tiefen
  • der seele
  • sie wehrt sich verzweifelt
  • schlägt um sich und verdrängt mein innerstes
  • doch der kampf beginnt erst
  • werde alles aus mir herausholen
  • den schwarzen kopf auf weisser haut
  • die blutende brust verschwindet im wasser
  • versinkt im schlamm der unendlichkeit
  • und der blaue drachenkopf macht sich selbstständig
  • auf die suche nach frischem fleisch
  • hinterläßt den toten körper der vernunft
  • und besiegt die dämonen der schwarzen seele

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985

Surreale Kurzgeschichten aus dem Jahre 1985

Sommernachtstraum
Sommernachtstraum
Sommernachtstraum

Marie ist verreist. In die Berge. Sie sagt, dass ihr die Seeluft mal ganz gut tut - tut, tut. Es hat gerade geklingelt, gehe an die Tür. Keiner da. Nah ja, vielleicht hat sich die Türklingel mal wieder einen Scherz erlaubt. Soll sie nur denke ich schadenfroh in mich hinein, sie wird schon sehen, was sie davon hat.

Ich gehe in den alten Schuppen, schnappe mir meinen etwas angestaubten Achtzylinder, und ließ mich von ihm ein wenig in der Gegend herumfahren. Mein Ziel war die Oase in der Wüste, gleich hinter dem 5. Distrikt. Dort besucht ich Joe´s Bar, nahm mir einen größeren Drink. Es waren mal wieder 60° im Schatten, und der war auch nicht wirklich da. Er war mit Marie in die Berge gefahren, weil da von Natur aus kein Schatten ist.

Langeweile überkam mich. So ganz ohne Marie war es mir richtig einsam ums Herz. Keinen leckeren Kaffee, und auch kein Streit. Als ich den Laden, wo ich meinen Drink nahm, verlassen will, kommt mir ein seltsamer, etwas grimmig gelaunter Herr hinterher. Der tippte mir unfreundlich auf die Schulter.

Ich drehte mich um, wurde plötzlich blass wie Kalkstein. Es war mein Galerist. Er brauchte noch dringend die lange versprochenen neuen Bilder von mir, die ich natürlich nicht hatte. Ich konnte nur arbeiten, wenn Marie anwesend war. Die war aber schon seit Monaten in den Bergen. Ich konnte nicht arbeiten. Also gut, sie mußte wiederkommen.

Ich lief zum Telegrafen. Dieser sagte mir, dass er keine Lust verspürre, ein Kabel für mich abzusetzen. Darauf packte ich ihn an seinen elektrolosen Steckern, drohte wütend seine Enden in die Steckdose zu stöpseln, was zur Folge hatte, dass er mürrisch doch noch meine gewünschten Zeilen schrieb.

Marie kam tatsächlich prommt. Ich konnte nun die versprochenen Bilder malen und abliefern. Alles war wieder in bester Ordnung. Sie machte mir auch wieder meinen geliebten Kaffee, so wie nur sie ihn brühen konnte. Völlig abgebrüht.

Der Duft erfüllte das ganze Haus. Danach liebten wir uns eine Weile bis sehr lange, und befanden beide die Welt wieder in Ordnung. Ach ich liebe sie immerwieder und immernoch und immermehr. Ohne sie wäre ich schon lange ideenlos, oder hätte keine ausgefallenen Bilder mehr malen können. Sie schaffte es, alles aus mir rauszuholen.

Das dauert jetzt schon seit Jahrzehnten an. Wir verdienten viel Geld, womit wir sorglos leben konnten. Aber die Zeiten zogen ins Land.

Wir bekamen Besuch von meinem Achtzylinder, der hatte gerade einen Ausflug mit seinem Freund dem alten Roß nach Italien hinter sich. Dort sahen sie sich ein paar alte Ruinen an. Das alte Roß machte sich auch gleich wie üblich über mein letztes Bier her. Ich beförderte beide mit bestimmter Stime aus dem Zimmer, damit ich mit Marie alleine sein konnte.

Heute war Ruhe angesagt. Sie kam sogleich in aller Stille.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985

Ein toller Tag
Ein toller Tag
Ein toller Tag

Marie schrie völlig entsetzt, als sie sich im Spiegel sah. "In einer Nacht um Jahre gealtert!" hauchten ihre noch feuchten Tränen ganz traurig in ihr liebliches Gesicht. Ich sah sie aus verschlafenen Augen mitleidig an, blickte auf die Uhr, welche mich mit einem Augenzwinkern freundlich anlächelte, nickte ihr zu und verstand.

Es war Vollmond. Eine herrliche Zeit zu phantasieren. Der Spiegel tippte sich mit zaghaften Fingern an den Rahmen, nahm die Zahnbürste und kratzte sich an den Bartstoppeln meiner gestrigen Rasur. Diese kleinen Plagegeister wiederum verstanden überhaupt nichts mehr, und schliefen weiter.

Marie hatte sich beruhigt und kam nun zu mir ins Bett zurück, sah mich an, drehte die neugierige Uhr um. Dann vielen wir gierig übereinander her. Als ich wieder aufwachte, waren gerade die Tagesthemen am Fenster. Ich ließ die Jalousien runter, um das Elend nicht zu sehen, ging in die Küche und rief den Kaffee auf den Plan, er solle sich doch mal sputen, denn ohne Kaffee konnte der Tag nicht gut beginnen.

Der Kühlschrank machte das Licht an und gab die Butter frei. Es war ein tolles Frühstück. Der Merkur stand heute genau richtig. Später machten Marie und ich einen ausgedehnten Spaziergang durch die Wüste. Der Sand begrüßte uns mit seiner üblichen Herzlichkeit. Das förderte Maries Phase der Erholung von ihrem morgendlichen Schock. Somit konnten wir den Tag doch noch so richtig genießen. Die Sonne verbarg heute ihr strahlendes Gesicht hinter den wenigen Wolken. Sie brauchte ein paar Tage Urlaub.

An einer langen Leine zog ich meinen alten Achtzylinder hinter mir her. Auch er brauchte mal eine Pause. Er hatte somit auch einen guten Tag mit bester Laune, und blubberte etwas unverständliches vor sich hin. Wir drei waren in diesem Moment die glücklichsten Bewohner auf diesem ruhigen Fleckchen Erde. Ich versprach meinem blubbernden Freund, ihn später zum Essen einzuladen.

Vor Freude drehte er ein paar Ehrenrunden im heißen Wüstensand. Dann verließ er uns eine kleine Weile, um einen alten Freund zu besuchen. Das alte Ross vom Schrotthändler war schon seit Jahren sein bester Freund.

Auf diese Weise hatte wir noch ein paar Tage für uns alleine. Denn im Allgemeinen dauerte sein Besuch immer etwas länger. Wir sahen das als Chance, die wir reichlich ausnutzen. Marie und ich wälzten uns im glühenden Sand uns ließen uns treiben, dem das sichtlich Spaß machte.

Es war herrlich, der Mond winkte uns zu, denn er hatte versprochen, die Urlaubsvertretung für die verreiste Sonne zu spielen. Später nahmen wir noch in der Milchstraße einen Drink zu uns, und gingen zufrieden nach Hause.

Auch unser blubbernder Freund war erstaunlicherweise schon da, und genoss entzückt ein saures Glas Orangensaft, welches keine Miene dabei verzog. Diesen Spezialdrink hatte sich der Achtzylinder von seiner letzten Reise aus Thailand mitgebracht.

Nach einem kurzen Schnack gingen Marie und ich erschöpft aber befriedigt schlafen. Sie fühlte sich jetzt nicht mehr so alt wie noch am Morgen. Ein wirklich toller Tag.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985

Surreale Gedanken aus dem Jahre 1985

Von Spulwürmern und Teufelsfratzen
Von Spulwürmern und Teufelsfratzen

Zeit der Reife

  • Wenn die zeit der Reife gekommen ist
  • muß man die Früchte ernten
  • ansonsten verfaulen sie
  • bis zur Wurzel.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


Existenz

  • Die Existenz ansich
  • ist die Wahrheit.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


Existens ansich

  • In der Existenz ansich
  • gibt es keine Wahrheit.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


Warten

  • Warten ist das Schlimmste,
  • warten auf die Liebe,
  • warten auf den Tod,
  • eben warten,

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


Lebe

  • Ich merke,
  • dass ich wieder Lebe.
  • Lebe, Lebe ganz einfach.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


Farbe

  • Mal siegt die Farbe,
  • mal das Material,
  • mal ich.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985


Anfang

  • Am Anfang war Intuition,
  • dann die Idee,
  • dann der Gedanke,
  • dann das Machen,
  • dann die Erfahrung,
  • dann die Betroffenheit,
  • dann der Kampf,
  • dann der Sieg,
  • dann die Verlorenheit,
  • dann die Weisheit,
  • dann der Anfang.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985



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